Der Relationale Ansatz nach BATHELT und GLÜCKLER wurde in der deutschen Wirtschaftsgeographie als Gegenposition zum raumwirtschaftlichen Ansatz formuliert (siehe Tabelle 1). Als Grundlage dienen die Theorien von STORPER/WALKER (1989), SCOTT (1998 oder MASKEL/MALMBERG (1999). Im Gegensatz zum raumwirtschaftlichen Ansatz spielen das gesellschaftliche, soziale, sowie kulturelle Umfeld der Akteure eine stärkere Rolle (vgl. HAAS und NEUMAIR 2007: 31).
In den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtung tritt das ökonomische Handeln mit seinen vielfältigen Beziehungen. Forschungsobjekte sind nicht mehr das Räumliche, sondern ökonomische Innovationen, unternehmensübergreifende Organisationsformen und Prozesse des kollektiv-institutionellen Lernens (vgl. HAAS und NEUMAIR 2007: 31-32).
Als Grundlage dient das Konzept der „Embeddedness“, geprägt von GRANOVETTER im Zusammenhang mit der Milieuforschung, demnach jeder Akteur in ein Geflecht von ökonomischen Aktivitäten und soziokulturelle Beziehungssysteme eingebettet ist. Aufgrund dieser Einbettung entsteht eine gewisse Pfadabhängigkeit der Akteure, welches das Ergebnis eines Evolutionsprozesses ist (vgl. BATHELT und GLÜCKLER 2003: 38).
Unternehmen rücken stärker in die Betrachtung, da laut relationalem Ansatz die Handlungen auf Unternehmensseite die Entwicklung einer Region beeinflusst (vgl. HAAS und NEUMAIR 2007: 32). Als Grundlage des einzelnen Akteurs wird nicht mehr das abstrakte Bild des Homo oeconomicus verwendet, sondern ein differenzierteres, demnach das Handeln des Individuums nicht mehr isoliert von anderen Akteuren betrachtet wird (vgl. BATHELT und GLÜCKLER 2003: 34-35).
Die Kernelemente des Relationalen Ansatzes, von BATHELT und GLÜCKLER auch die vier Ionen der Wirtschaftsgeographie genannt, sind Organisation (z.B. Transaktionskosten, Embeddedness, Cluster), Evolution (z.B. Einfluss historischer Strukturen, Entwicklungspfade), Innovation (z.B. interaktive Modelle technologischen Wandels, Organisation des Innovationsprozesses) und Interaktion (z.B. Lernen, Vertrauen in und zwischen Unternehmen) (vgl. BATHELT und GLÜCKLER 2003: 36-40).
Für eine umfassende Kritik am Relationalen Ansatz ist es allerdings noch zu früh, da das Theoriegebäude noch nicht abschließend formuliert ist. Zurzeit fehlen immer noch Bezüge zu Regeln und Normen einer Region, die das Handeln der Akteure maßgeblich beeinflussen (vgl. HAAS und NEUMAIR 2007: 32).
Literatur
BATHELT, H. und GLÜCKLER, J., 2003: Wirtschaftsgeographie : ökonomische Beziehungen in räumlicher Perspektive ; 16 Tabellen, Stuttgart: Ulmer
HAAS, H.-D. und NEUMAIR, S.-M., 2007: Wirtschaftsgeographie, Darmstadt: WBG

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