Schlaglöcher auf Indiens Weg zum Global Player

Indiens Wirtschaft scheint den Weg Chinas zu gehen. 9% wuchs die Wirtschaft im Jahr 2006 und selbst die Börse in Mumbai liegt noch immer mit mehr als 40% im Plus, verglichen mit noch vor einem Jahr. Und das trotz Börsentalfahrt in anderen Asiatischen Staaten. Doch trotz boomender IT Wirtschaft scheint das Land nicht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerüstet zu sein. Wie die Business Week im März berichtete, ist vor allem Indiens Infrastruktur nicht geeignet für den weiteren Aufstieg und dämpft das Wachstum um bis zu 3 % im Jahr.

Schäden durch schlechte Infrastruktur

In den letzten 60 Jahren seit der Unabhängigkeit, kam es zu einer dramatischen Unterfinanzierung in den Bereichen Verkehr, Strom- und Wasserversorgung. Vor allem die Lage in den Städten ist katastrophal. Infosys Technologies Ltd., eine von Indiens erfolgreichen IT-Firmen, hat allein in Bangalore Kosten von mehr als $5 Millionen im Jahr für Busse, Taxis und Minivans, damit die Angestellten zur Arbeit kommen können. Eine Metrolinie ist in Bangalor erst für das Jahr 2015 geplant. Bis dahin verbringt ein normaler Angestellter bis zu 4 Stunden jeden Tag auf den verstopften Strassen. Zwischen den Städten ist die Lage sogar noch schlechter. So berichtet ein Sprecher von Maruti Suzuki, dass ein Transport von Delhi bis nach Mumbai 10 Tage dauern kann, gelegentlich mehr. Die Regierung verspricht Abhilfe und hat ein Programm gestartet, das die Highways auf einen internationalen Standard bringen soll. Woher die $330 Mrd. dafür kommen sollen, bleibt die Regierung aber schuldig. Bei einer Neuverschuldung von 82% des BIP, der 11 schlechtester Haushalt weltweit, ist es beinahe unmöglich. Auch die auf einem niedrigen Wert von $9 Mrd. verharrenden FDI (im Vergleich China: $63 Mrd. 2006) schaffen kein Kapital dieser Größenordnung ins Land. Dennoch drängen Internationale Firmen, wie Vodafone, Wal Mart und die Citigroup nach Indien, denn ein gigantischer Markt gilt zu erobern, der rasant wächst. So gewinnen allein die Mobilfunkfirmen jeden Monat 6 Millionen neue Kunden und ein Ende dieses Booms scheint nicht in Sicht. Aber es gibt auch Firmen, die Indien den Rücken kehren. So wollte der amerikanische Chiphersteller Intel eine neue Fabrick in Südindien eröffnen, entschied sich aber dennoch für Vietnam; der Grund: die katastrophale Stromversorgung.

Weitere Probleme der Indischen Wirtschaft

Neben der schlechten Infrastruktur macht auch die anhaltende Korruption den Investoren zu schaffen. In Bangalore entsteht ein neuer internationaler Flughafen, der von westlichen Firmen wie Siemens und Unique Ltd. errichtet wird. Der Termin für die Fertigstellung im Jahr 2008 wird anscheinend eingehalten. Eine Eröffnung ist dennoch unwahrscheinlich, da die zustellige Regierungsstelle die Anschlußstrasssen noch nicht begonnen hat zu bauen. Mehr als 25% der Kosten sind in dunklen Kanälen verschwunden.
Auf die Regierung wartet eine Herkulesaufgabe, wenn Indien zu einem großen Spieler in der Weltwirtschaft aufsteigen möchte. Die Ausgangsposition scheint dafür nicht allzu rosig zu sein. Noch immer sind 60% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, die größtenteils von weniger als $2 am Tag leben müssen.

Quellen
Business Week, 15.03.2007
Yale Global Online, 15.03.2007

Rights
© 2007 Geographieblog.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s