Eine neue Transportwirtschaft

Seit dem 2. Weltkrieg ist der Welthandel, als Folge der GATT und WTO Runden, die Handelshemmnisse minimierten und den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital förderten, stark angestiegen. Im selben Zeitraum sanken ebenfalls die Transportkosten, als Resultat neuer Technologien, der Angleichung unterschiedlicher Systeme und Rechtsordnungen.
Getragen wurde das wachsende Transportaufkommen von Multinationalen Unternehmen (MNU), die weltweite Produktionketten entwickelten. Mehr als 1/3 des Transports besteht demnach aus internem Austausch der MNU. Besonders nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist ihre Zahl drastisch angestiegen, auf mittlerweile 65.000, die auf den internationalen Märkten agieren. Die stärkste Verflechtung des internationalen Transport und Verkehrs besteht zwischen den Ländern der Triade, also der NAFTA, der EU und ostasiatischen Ländern. Besonders die Transportwirtschaft war von diesen Entwicklungen stark betroffen und hat sich den neuen Anforderungen der Globalisierung angepasst und zu einem Träger dieser entwickelt.

Innovationen und neue Konzepte

Die Bewältigung der erhöhten Transportnachfrage wurde nur ermöglicht durch den innovativen Ausbau der betroffenen Infrastrukturen wie Häfen, Flughäfen, Güterverkehrsbahnhöfe und Straßennetze und die Umsetzung angepasster Konzepte.
So hat sich die Umschlagmenge des Hafens in Singapur, als weltweit größten Hafen, in den letzten 20 Jahren verachtfacht. Auch der Hamburger Hafen unterliegt diesem starken Wachstum. So werden in den nächsten Jahren 2,9 Mrd. Euro in den Ausbau des Hafens investiert, da bis zum Jahr 2015 mit einer Verdoppelung des Umschlags gerechnet wird.
Eine wichtige Voraussetzung für diesen starken Wachstum war die breite Einführung des Standard Containers in den 1960ern und die damit angepassten Beförderungssysteme. Durch den Ausbau von Häfen, die immer größere Mengen abfertigen konnten, wurden Skaleneffekte erzielt, die die Transportstückkosten sinken ließen.
Als wichtiges Element für die Bewältigung erhöhter Mengen wird die Telematik gesehen, die dem Transporteur und dem Kunden bessere Organisationsmöglichkeiten bietet, da ein Transport heutzutage in Echtzeit zu überwachen ist. Dies hat die Transportwirtschaft grundlegend verändert.
Neue Streckenführungen haben sind in den letzten Jahren vorgestellt worden, die nach dem Prinzip der Effizienz und der Kostenersparnis entwickelt wurden. An die Stelle der starren Punkt zu Punkt- Verbindungen, sind komplexe Linienführungen getreten, die Hubs, Drehkreuze und Transshipment Terminal bedienen. Nicht mehr die Distanz, sondern die Kapazität und Bedienungshäufigkeit einer Strecke ist entscheidend geworden, damit niedrige Transportkosten gewährleistet werden können und die beteiligten MNU ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen können.

Internationalisierung und Konzentration

Aber nicht nur die Infrastrukturen haben sich gewandelt, sonder auch die Unternehmen der Transportwirtschaft. Immer mehr Unternehmen beziehen die gesamte Transportkette, vom Versender bis zum Empfänger mit in ihr Portfolio mit ein. So entfallen Probleme an den intermodalen Schnittstellen und die Laufzeit der transportierten Güter wird verringert.
Wiesen Logistikunternehmen in den vergangenen Dekaden eine starke nationale Bindung auf, so änderte sich dies seit den 1980ern, ausgegangen von Entwicklungen in den USA und UK. In jüngster Zeit dieses Konsolidierungsprozesses haben die Unternehmen durch Fusionen und Aquirierungen neuer Transportnetze hohe Skaleneffekte erzielt, die die Transportkosten weiter sinken ließen. Der Trend geht dahin internationale Verwaltungsgesellschaften für Schiffe, Umschalgsanlagen und Logistikeinrichtungen unter einem Dach zu formieren.
Dabei müssen die Logistikunternehmen sich immer schneller an den Bedürfnissen der Kunden in aller Welt anpassen, was zu einer Optimierung der gesamten logistischen Information- und Güterströme führt, und das über Ländergrenzen hinaus.
Durch das Engagement der globalen Logistik unternehmen auf der ganzen Welt, findet auch ein Wissenstransfer in sich entwickelnde Regionen statt, da Partner oder Neuaufkäufe die Standards der großen Logistikunternehmen erfüllen müssen, um schnellstmöglich in das globale Transportnetz integriert zu werden.

Es hat sich gezeigt, dass die Transportwirtschaft eine Schlüsselfunktion im globalen Handel zukommt, denn ohne sie sind die stark wachsenden Handelsströme nicht zu bewältigen. Allerdings fließen die Warenströme zum großen Teil nur zwischen den Ländern der Triade. Periphere Regionen werden seltener bedient, da zum einen die Wirtschaftskraft dieser Regionen nicht so stark ist und andernfalls geringe Transportkosten in diese Regionen nicht gehalten werden können. Aus geographischer Sicht erscheint die Fokussierung auf Kernräume, Weltstädte und Mega Hubs allerdings problematisch, da große Teile der Welt nicht an der wachsenden Globalisierung teilnehmen können.

Quellen

KEELING, 2007: Transportation geography: new directions on well-worn trails, in Progress in Human Geography 31(2007), S. 217-221
LENZ, B. und MENGE,J., 2007: Organisation von Transportketten unter dem Einfluss von Informations- und Kommunikationstechnologien, in Geographische Rundschau 59(2007), Heft 5, S. 14-20
NEIBERGER, C., 2007: Logistikunternehmen im Globalisierungsprozess, in Geographische Rundschau 59(2007), Heft 5, S.22-27
NUHN, H., 2007: Globalisierung und Verkehr, Geographische Rundschau 59(2007), Heft 5, S.4-11

Hamburgs Hafen soll bis Herbst an die Börse – Spiegel Online(09.05.2007)

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