Chinas wachsendes Interesse an Schwarzafrika

Seit den ersten Reformen in den späten 1970er Jahren ist die chinesische Volkswirtschaft mit jährlichen Wachstumsraten von über 10% dramatisch gewachsen. Mit dem wirtschaftlichen Wachstum stieg auch die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen. China, auf dem Weg zur viertgrößten Volkswirtschaft, ist weltweit zu einem der größten Konsumenten von Öl, Stahl, Kupfer, Kohle und Platin geworden. Dieser Rohstoffbedarf kann nur durch die Erschließung neuer Märkte gesichert werden, was dazu führte, dass China zu einem der größten Investoren in Schwarzafrika aufstieg und dabei wachsenden Einfluss auf die afrikanischen Volkswirtschafen nahm. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie groß die positive Effekte auf das Wachstum in Afrika hat.

Chinas wachsender Einfluss

In den vergangenen 10 Jahren ist China, nach den U.S.A. und Frankreich, zu Afrikas drittgrößtem Handelspartner geworden. Im Jahr 2006 betrug das Handelsvolumen, nachdem es in der vergangenen Dekade stark angestiegen ist (Abbildung 1), mehr als $ 55 Mrd. und es wird prognostiziert, dass es sich bis zum Jahr 2010 noch einmal verdoppelt. Der Hauptgrund dieses Anstieges war das erhöhte Interesse Chinas an Rohstoffen wie Öl, Kupfer und Eisen. Am Ende des vergangenen Jahres hatte China schon mit 48 der 50 afrikanischen Staaten Handelsabkommen über Rohstoffexporte abgeschlossen und ist in einigen Staaten bereits der größte Investor. So wurde China, welches seine Investitionen über staatliche Firmen tätigt, zum Hauptimporteur für sudanesisches und angolanisches Öl, sowie südafrikanisches Platin.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch wie einseitig dieser Handel ist, denn mehr als 75% werden im Rohstoffbereich getätigt. Exporte, die keine Rohstoffe sind, machen weniger als 10% aus und mehr als zwei Drittel des Handels findet nur mit den Staaten Sudan, Südafrika, Angola und Nigeria statt.
Auch ein Großteil des Gesamtafrikanischen Wirtschaftswachstums (2006: 5,5%) ist auf den erhöhten Rohstoffexport zurückzuführen. Allerdings ist China auch zu einem Hauptakteur in der Entwicklungshilfe aufgestiegen mit einem jährlichen Volumen von mehr als $ 1 Mrd. Zudem stellt China jährlich mehr als 10.000 Plätze an seinen Universitäten für afrikanische Studenten bereit.

Probleme von Rohstoffexportierenden Ländern

Das hohe Wachstum Afrikas scheint eine gute Nachricht für den chronisch armen Kontinent und die Welt zu sein. Dennoch birgt dieses Wachstum Risiken. Viele Rohstoffexportierende Länder weisen die so genannte Holländische Krankheit auf, welche entsteht, wenn ein Land Güter (meist Rohstoffe) im großen Umfang exportiert und es infolge dessen zu einer Aufwertung der Landeswährung kommt. Dadurch verteuern sich Exporte aus anderen Sektoren, die in eine Absatzkrise rutschen. Als Folge dessen kommt es zu einer Deindustrialisierung, wie es Corden und Neary (1983) als erstes am Beispiel der Niederlande beschrieben haben.
Aufgrund der stark gestiegenen Rohstoffpreise der letzten Dekade, ist damit zu rechnen, dass viele afrikanischen Länder von der Holländischen Krankheit befallen werden, da die Exportüberschüsse nicht sinnvoll investiert werden und zu einem großen Teil durch Korruption gemindert werden.

Asymmetrische Auswirkungen

Chinas steigendes Interesse an afrikanischen Rohstoffen hat asymmetrische Auswirkungen auf diese Länder. Gewinner sind vor allem Öl produzierende Staaten, wie der Sudan und Angola. Seit dem Jahr 2000 ist der Rohölpreis um mehr als 80% gestiegen, wobei ca. 20% auf die steigende chinesische Nachfrage zurückzuführen ist. Ölimportierende Staaten wie Madagaskar und Kenia sind dabei klare Verlierer.
Allerdings steigt die Kritik an Chinas Investitionen vor allem in den Gewinnerländern, da die Investitionen kaum Verbindungen zur lokalen Wirtschaft haben und nur wenige Arbeitsplätze schaffen. Meist greifen die chinesischen Firmen auf Material und Arbeitskräfte aus dem Heimatland zurück. Von der internationalen Staatengemeinschaft wird vor allem die politische Unterstützung von Diktaturen kritisiert. So blockierte China 2005 eine UN Resolution, die Sanktionen für den Sudan vorsah, aufgrund von Rohstoffinteressen.

Quellen

ZAFAR, A., 2007: The growing Relationship between China and Sub-Saharan Afrika, The World Bank Research Observer, Vol.22, No. 1

Internet

1. Daily Telegraph: Oil-hungry China takes Sudan under its wing (abgerufen am 30.05.2007)
2. EcoWorld: Chinas Energy Demand (abgerufen am 30.05.2007)
3. International Herald Tribune: African Development Bank affirms China’s growing role, with caveats (abgerufen am 30.05.2007)
4. Der Spiegel International Edition: China’s Conquest of Africa (abgerufen am 31.05.2007)

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2 Gedanken zu „Chinas wachsendes Interesse an Schwarzafrika

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