Die Rolle von Agglomerationseffekten für die Wirtschaftliche Entwicklung?

Weltweit befinden sich die meisten Arbeitsplätze in Städten oder Agglomerationen, denn diese bieten vielen Unternehmen Vorteile, die im ländlichen Raum nicht existieren. Diese positiven Effekte sind allerdings nicht nur allein von der Größe der entsprechenden Agglomeration abhängig, sondern auch von der vorherrschenden Wirtschaftsstruktur. Besonders das Kreieren von Innovationen wird als wichtiger Erfolgsfaktor für das Wirtschaftswachstum gesehen. Das Ausnutzen solcher Effekte spiegelt sich dabei im Spezialisierungsgrad einer Agglomeration wieder.

Positive und negative Agglomerationseffekte

Durch die Ansiedlung vieler Unternehmen gleicher, oder ähnlicher Branche entstehen starke Vorteile, in Form von spezialisierten Zulieferern, die mehrere Betriebe beliefern und dabei Kosten einsparen. Der Wissenstransfer oder das Erzeugen von Innovationen werden durch das Zusammentreffen gleicher Akteure erleichtert. Besonders profitieren die Unternehmen davon, dass an spezialisierten Standorten ein höherer Arbeitnehmerpool vorhanden ist, der aus entsprechend qualifizierten Arbeitnehmern besteht. Durch den Arbeitsplatzwechsel dieser, wird Wissen unter den Firmen transferiert und es entsteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Innovationen entstehen.
Besonders von Vorteil sind angepasste Wissensinfrastrukturen, die auf die jeweiligen Branchen ausgerichtet sind und so unterstützend für Unternehmen wirken, da die Forschung mit Universitäten in Kooperation geschieht, oder es zu einer erhöhten Gründungsrate aus den Universitäten kommt. Die Stanford University im Silicon Valley stellt eine der erfolgreichsten Inkubatoreinrichtung dar, mit vielen erfolgreichen Ausgründungen im IT – Bereich, wie Yahoo oder Google. Diese Unternehmen erzeugen nun ihrerseits neue Effekte, die von anderen Unternehmen genutzt werden.
Besonders bei der Schaffung von Innovationen können Agglomerationsräume eine wichtige Rolle spielen, denn diese entstehen besonders da, wo es intersektorale Verflechtungen gibt, da dort mit neuen Sichtweisen oder Problemlösungen gearbeitet wird.
Allerdings sind nicht alle Agglomerationseffekte positiv, denn besonders in innerstädtischen Bereichen ist der verfügbare Raum recht knapp und so sind die Grundstückskosten um einiges höher, als in den Peripherien. Ebenso können Umweltverschmutzung und starker Verkehr, die die Lebensqualität senken, schädlich für die Akquirierung neuer Arbeitskräfte sein. In vielen Großstädten Europas und Nordamerikas überwiegen allerdings die Agglomerationsvorteile für viele Branchen.

Lohnt sich eine Spezialisierung oder eine Diversifizierung?

Bei der Beschreibung von Städten unterscheidet die Literatur zwischen zwei Arten. Zum einen spezialisierte Städte, die über einen hohen Anteil an Arbeitsplätzen aus einer Branche verfügen, sowie diversifizierte Städte, die keine ersichtliche dominierende Branche besitzen.
Die Vorteile von spezialisierten Städten, wie Richmond (USA, Taback) und Wolfsburg (Automobilindustrie), profitieren stark von einer zielgerichteten Infrastruktur, sowie der geringen Nähe von Produzenten und Zulieferern. Allerdings weisen diese Städte eine geringere Innovationsfähigkeit auf. Die Entwicklungen sind eher inkrementeller Natur. Darüber hinaus sind solche Städte stark vom Weltmarkt abhängig, und sie geraten in die Krise, wenn es zu sinkenden Weltmarktpreisen oder Verlagerungen der Produktion kommt. Da meist andere Branchen den Rückgang in der Beschäftigung nicht ausgleichen können, steigt die Arbeitslosigkeit und viele Arbeitnehmer wandern ab.
Diversifizierte Agglomerationen sind dagegen meist weniger anfällig, da Verluste an Arbeitsplätzen von anderen Branchen ausgeglichen werden. Unter den US-Amerikanischen Städten gilt Chicago als eine der diversifiziertesten Städte, deren größte Branche, das metalverarbeitende Gewerbe, das 1,5 fache an Beschäftigung aufweist, wie das nationale Beschäftigungsdurchschnitts.

Fazit

Duranton und Puga haben nachgewiesen, dass die Wirtschaft größere Städte eher diversifiziert ist und dass vor allem spezialisierte Städte eine ähnliche Größe aufweisen. Die Agglomerationseffekte werden in den unterschiedlichen Städten recht unterschiedlich genutzt. Besonders in spezialisierten Städten werden eher Infrastrukturen und ein gleich qualifizierter Arbeitsmarkt genutzt. Diese Vorteile spielen natürlich auch in diversifizierten Städten eine Rolle, allerdings ist die Fähigkeit Innovationen zu kreieren in solchen Städten ein strategischer Vorteil, den besonders Unternehmen der High-Tech Industrie nutzen, und somit die Anfälligkeit der Stadt insgesamt gemindert wird.

Quellen

Bathelt, H., und Glückner, J., 2002: Wirtschatsgeographie, Ulmer UTB, Stuttgart, S.127-129
Duranton,G. und Puga, D., 2000: Diversity and Specialisation in Cities: Why, Where and When does it Matter?, Urban studies, Vol.37, Nr.3, S.533-555,
Rosenthal, S. und Strange, W., 2003: Geography, Industrial Organization, and Agglomeration, The Review of Economics and Statistics, Volume 85, Nr. 2, S.377-393
Van Oort, F., 2007: Spatial and Sectoral composition effects of agglomeration economies in the Netherlands, Regional Science, Volume 86, Nr. 1, S. 5-30

Rights
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Ein Gedanke zu „Die Rolle von Agglomerationseffekten für die Wirtschaftliche Entwicklung?

  1. „Auch in Deutschland nimmt die ökonomische Bedeutung der Agglomerationen spürbar zu“,
    zu diesem Schluss kommen GEPPERT und GORNIG in ihrem Artikel „Renaissance der großen Ballungsräume in Deutschland: Wiedererstarken im Westen, noch maangelde Dynamik im Osten“ (veröffentlicht in: Informationen zur Raumentwicklung, 9/2006, S. 505-514. BBR)

    Die polyzentrale Raumstruktur der Bundesrepublik Deutschland forciert einen Wettbewerb unter den Agglomerationsräumen um etwa die Ausstattung der Regionen mit Forschungskapazitäten. Daraus ergeben sich raumwirtschaftliche Vorteile gegenüber ländlichen Regionen und es entsteht ein größer Wissenspool. Mit der Veröffentlichung des Raumordnungsberichtes 2005 wird durch das Bundesamt für Raumordnung (BBR) aktiv die bilden von „Metropolitanen Kernen“ unterstützt, so dass ein System von elf Metropolregionen in Deutschland entstanden ist. „Aufgabe der metropolitanen Kerne ist die Versorgung der jeweiligen Region mit hochrangigen Zentrumsfunktionen, die die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit der Räume im europäischen Maßstab sichern soll.“ (GEPPERT, GORNIG 2006, S. 513)
    Agglomerationen unterstützen den wirtschaftlichen Wachstumsprozess, mehr noch sie beschleunigen ihn und führen zu Konzentrationen von bedeutenden Wissensträgern in der Region.
    Negativ sollte aber auch angemerkt werden, dass Agglomerationsprozesse auch die regionalen Disparitäten verstärken. Korrigierendes Eingreifen seitens der regionalen Strukturpolitik um divergente Prozesse zu verhindern, ist möglich und in Bezug auf die Angleichung der Lebensverhältnisse auch erstrebenswert.

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