Netzwerkstädte – die Agglomerationen der Zukunft?

Das bekannte urbane System war nie besonders stabil und Städte wuchsen innerhalb kürzester Zeit, während andere schrumpften und an Bedeutung verloren. Eine Vorhersage, wie sich dieses System entwickelt war nie sehr einfach. Das 21. Jahrhundert bringt viele Veränderungen mit sich und somit verändert sich auch das urbane System. Netzwerkstädte wie die Randstad Region in Holland scheinen in der Zukunft an Bedeutung zu gewinnen, während spezialisierte, monozentrische Städte einen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Doch welche Vorteile weisen Netzwerkstädte auf, die sie aktuell so erfolgreich macht?

Das Gesetz von Aufstieg und Fall

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das urbane System sehr dynamisch ist und sich ständig verändert. Konstantinopel war um das Jahr 1000 mit 450.000 Einwohnern die größte Stadt Europas, und damit nur geringfügig größer als Cordoba im Süden Spaniens. Beide Städte verfielen in den darauf folgenden Jahrhunderten. Konstantinopel durchlebte noch einmal einen Aufstieg und stieg im Jahr 1700 erneut zur größten Stadt in Europa auf, musste jedoch in den folgenden Jahrhunderten andere Städte an sich vorüberziehen lassen. Als einzig stabiles Element in diesem System scheint Paris zu bestehen, welches seit nun mehr als 600 Jahren zu den größten und bedeutendsten Städten des Kontinents gehört und sich immer erneuern konnte. Große Verschiebungen sind in den letzten 200 Jahren eingetreten, in denen Städte wie Berlin, Madrid, Moskau und Rom zu den größten Städten des Kontinents aufgestiegen sind und damit auch an Bedeutung gewonnen haben.
Bei einer Betrachtung der globalen Ebene, kam es auch dort zu dramatischen Veränderungen im urbanen System. New York, London und Tokio sind in die Position von Weltstädten aufgestiegen, während Dhaka und Jakarta nur größer geworden sind, anstatt globale Bedeutung zu erlangen.

Anforderungen des 21. Jahrhunderts

Aufgrund der Dynamik dieses Systems, stellt sich nun natürlich die Frage, welche Städte in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum in der Bevölkerung und in der Wirtschaft haben werden. Was sich schon seit mehren Jahren herauskristallisiert ist, dass der Typus der Netzwerk- und der Korridorstadt komparative Vorteile bietet. Diese Städte bestehen aus einem Netzwerk aus kleineren oder mittleren Stadtgrößen, die untereinander stark vernetzt sind. Dabei spielen die physische und die Wissensinfrastruktur eine bedeutende Rolle. Diese Städte sind aufgrund einer Wissensdiversifizierung nicht so anfällig gegenüber Krisen in einzelnen Branchen. Sie können sich schneller den Anforderungen der Weltwirtschaft anpassen und alte Strukturen revitalisieren. Netzwerkstädte weisen in der Regel eine höhere Dichte an Forschungseinrichtungen oder Universitäten auf, die ihrerseits einzeln spezialisiert sind. Ein höherer Ausstoß an Innovationen ist die Folge, welche wiederum bei Erfolg neue Beschäftigung schafft.

Netzwerkstädte haben in der Vergangenheit ein beeindruckendes Wachstum gehabt. Es sind sowohl Randstad in Holland und Kansai in Japan zu nennen. Beide Netzwerkstädte bestehen aus einer Vielzahl von Städten, die stark untereinander vernetzt sind. Wichtige Elemente dieser Regionen sind eine hohe Anzahl an Forschungseinrichtungen, eine hohe Lebensqualität und hochqualifizierte Arbeitskräfte. Als besonderes Element wird von der Literatur eine globale Erreichbarkeit genannt, die einen großen Vorteil für diese Städte bietet. Kansai, mit dem 24 Stunden Flughafen in Osaka, und der Shiphol Flughafen nahe Amsterdam bieten den Städten internationale Verbindungen zu schaffen.

Fazit

Eine Vorhersage, welche Stadt genau in den nächsten Jahrzehnten stark an Bedeutung gewinnen wird, lässt sich schwer treffen. Randstad und Kansai sind in den vergangenen Dekaden stark gewachsen und scheinen auch in der Zukunft weiter zu wachsen, da sie für die Zukunft gut gerüstet erscheinen und ihre Vorteile gegenüber Konkurrenten weiter ausbauen.
Im 21. Jahrhundert wird auch eine stärkere Vernetzung, nicht nur in der Region, sondern auch international vorhergesehen, die Ländergrenzen überschreitet und somit transnationale Stadtnetzwerke schafft.

Quellen
Batten, D., 1995: Network Cities: Creative Urban Agglomerations for the 21st Century, Urban Studies, Vol.32, No. 2, 1995, S.313-327
Heineberg, H., 2001: Grundriß Allgemeine Geographie: Stadtgeographie (2. Auflage), Schöningh UTB, München, S.69-79

Rights
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