El Nino – Ein Klimaphänomen

Als eine der großen Unbekannten des globalen Klimasystems wirft der El Nino die größten Rätsel auf. Zuerst als lokales Klimaphänomen vor der Küste Perus verstanden, stellte sich heraus, dass der El Nino globale Auswirkungen hat und sogar das Klima in Asien, Afrika und Europa stark beeinflusst. In den letzten Jahren nahmen sich mehr Forscher diesem Phänomen an und beginnen allmählich dieses komplexe System zu verstehen.

Die Bewohner an der Küste Perus beobachteten über die letzten Jahrhunderte ein ungewöhnliches Wetterphänomen, welches sich zyklisch wiederholte und alle paar Jahre zu den Weihnachtstagen auftrat und deshalb den Namen El Nino, das Christkind, erhielt. Der Humboldtstrom, eine Meeresströmung, die kühles Wasser aus den polaren Gebieten an die Küsten Südamerikas bringt und für trockenes Wetter sorgt, schwächt sich während eines El Ninos ab, was dazu führt, dass sich die Wassertemperatur erhöht und es so zu einer höheren Luftfeuchtigkeit kommt. Für die die Fischer und Bauern der Region hat sich diese Veränderung dahingehend geäußert, dass sich die Fischpopulationen von Kalt- zu Warmwasserfischen verschoben, und es in den ariden Gebieten Perus zu häufigeren Niederschlägen kam.

Ozeanische und klimatologische Merkmale

Zu Beginn der Forschung wurde der El Nino nur als lokales Phänomen betrachtet, allerdings stellte sich Mitte des 20 Jahrhunderts heraus, dass die Abschwächung des Humboldtstromes nur ein Teil des Phänomens war, welches im gesamten Pazifik wirkte. In den 1960ern wiesen Prof. FLOHN von der Universität Bonn und Prof. BJERKNES von der University of California unabhängig voneinander nach, dass es einen Zusammenhang zwischen Temperaturschwankungen im äquatorialen Pazifik gab. Weitere ozeanographische Studien stellten Schwankungen in der Thermokline, einer Temperatursprungschicht, fest, die die Untergrenze, der Wasserschicht ist, welche von den Sonnenstrahlen beeinflusst wird. Allgemein wird diese obere Wasserschicht auch Warmwasserschicht bezeichnet. In normalen Jahren beträgt die Tiefe der Thermokline vor den Galapagos Inseln 40 Meter und auf asiatischer Seite 120 Meter. Während El Nino Events taucht diese Schicht auf südamerikanischer Seite bis zu 80 Meter ab, während sie vor der Küste Australiens auftaucht.
Aufgrund der veränderten Oberflächentemperaturen im Pazifik kommt es zu Rückkopplungseffekten im pazifischen Zirkulationssystem, welches hauptsächlich von den süd- und nordpazifischen Antizyklonen bestimmt wird. Während eines El Nino, verliert das südpazifische Hoch an Kraft und es kommt zu Veränderungen im Windsystem, mit einer Umkehr der Winde von Ost nach West.

Einfluss auf andere Wetterphänomene – Santa Ana Winds

Diese Veränderungen in der pazifischen Zirkulation haben starken Einfluss auf das globale Wetter und regionale Wetterphänomene. Als ein Beispiel soll ein Windphänomen in Kalifornien dienen, die Santa Ana Winde. Dieser trockene Wind ist in Kalifornien in der Zeit zwischen September und Mai zu beobachten, welcher häufig Auslöser für großflächige Waldbrände in der Region ist, da während diesen Events die Luftfeuchtigkeit auf unter 5% sinkt. FINLEY und RAPHAEL wiesen dieses Jahr statistisch nach, dass in El Nino Jahren diese Winde häufiger und stärker auftreten, mit einem Höhepunkt im Februar und März. Als Hauptgrund nennt die Studie veränderte Luftdruckverhältnisse über dem Pazifik während El Nino Events.

Fazit

Das El Nino Phänomen ist noch relativ unerforscht, da das System, in dem es sich bewegt sehr komplex ist. Was genau der Auslöser ist, kann heute mit Sicherheit noch nicht gesagt werden.
Wissenschaftler vermuteten noch in den 1980ern, dass das Auftreten des El Ninos mit Sonnenfleckenaktivitäten in Verbindung steht, da beide Phänomene einem Zyklus von 11 Jahren unterlagen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschleunigte sich allerdings der Zyklus, so dass ein El Nino mittlerweile alle 3 Jahre auftritt, was dazu führte, dass diese Theorie fallen gelassen wurde.

Quellen
CAVIEDES, C., 2005: El Nino – Klima macht Geschichte, Kapitel 1 – Die Grundlagen, S.9-26, Primus Verlag, Darmstadt
FINLEY und RAPHAEL, 2007: The Relationship between El Nino and the Duration and Frequency of the Santa Ana Winds of Southern Californien, The Professional Geographer, Vol.59, No.2, S.184-192
TRENBERTH, K., 1997: The Definition of El Nino, Bulletin of the Meteorological Society, Vol.78, No. 12, S.2771-2777

Rights
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