Klimaschwankungen als Ursache für Konflikte

In der Vergangenheit waren Klimaschwankungen Auslöser für zahlreiche Konflikte und der Triebmotor für soziale Veränderungen. Forscher haben nun signifikante Zusammenhänge zwischen Konflikthäufungen und Klimaschwankungen in den vergangenen 1500 Jahren, die von einer Warm- und einer Kaltphase geprägt waren, für China und das pazifische Becken, nachgewiesen.

Klima der letzten 13 Jahrhunderte und deren Auswirkungen

Vom 7. bis zum 18. Jahrhundert herrschten 2 Klimaphasen vor. Zum einen die Mittelalterliche Warmphase, die den Zeitraum 700 bis 1250, und die Kleine Eiszeit, welche den Zeitraum 1350 bis 1800 umfasste. Das Klima war in diesen Hauptphase allerdings nicht konstant und so bildeten sich kurze Wärme- und Kälteperioden heraus. Der Übergang zwischen diesen Hauptphasen, welcher als 1300 A.D. Event bezeichnet wird, war geprägt von stark fallenden Temperaturen und einem Absinken des Meeresspiegels. Diese starken Klimaschwankungen lösten starke kulturelle Veränderungen in den untersuchten Gebieten aus.
Die Mittelalterliche Warmphase war vor allem durch starkes Bevölkerungswachstum und eine ausgeweitete Nahrungsmittelproduktion geprägt. Siedlungen wurden in Höhenlagen errichtet, die zuvor nicht besiedelbar waren, und viele Kulturpflanzen dehnten sich nordwärts aus. So bestehen Berichtet, dass der Weinbau bis nach Nordengland, in die Grafschaft York, vordrang.
Der Beginn der Kleinen Eiszeit im 14. Jahrhundert brachte einen radikalen Umschwung der Lebensbedingungen mit einer erhöhten Anzahl von Konflikten, wie Zhang es für China und Nunn et. al. es für die pazifischen Inseln nachgewiesen haben.
Besonders agrarisch geprägte Kulturen sind stark vom Klima abhängig und die Durchschnittstemperaturen, Niederschläge und Wachstumsperioden haben eine starke Bedeutung. Durch ein schnelles Anwachsen von Kältetagen und somit eine geringere Wachstumsperiode der Kulturpflanzen können starke Auswirkungen in Form von Ernteausfällen hervorgerufen werden. Ein Absinken der Nahrungsmittelproduktion kann große Auswirkungen auf eine Gesellschaft haben. Ebenso verändern sich bei Klimaschwankungen die Sorten, die angebaut werden und damit auch die Ernährungsgrundlage der entsprechenden Bevölkerung.

Erhöhte Konflikthäufigkeit während Kältephasen

Neben einer veränderten Ernährungsgrundlage, kommt es, besonders bei Kälteperioden, zu einer erhöhten Konflikthäufigkeit, wie Zhang dies für China nachgewiesen hat. Hierfür wurden mehrere Kälte- und Wärmperioden definiert. Warme Perioden wurden dabei durch eine, um 10 – 25% erhöhte Nahrungsmittelproduktion, gegenüber den Kälteperioden, gekennzeichnet. Diese wiesen eine höhere Anzahl von Konflikten auf. Höhepunkt dieser bildete der Zeitraum von 10 bis 30 Jahren, nach Beginn einer Kälteperiode.
Eine häufige Ursache von Konflikten, war demnach die Einwanderung aus dem Norden oder aus Höhenlagen, in denen keine oder ungenügende Landwirtschaft mehr betrieben werden konnte. Die Migrationströme in China, waren maßgeblich von den Klimaschwankungen beeinflusst. So wiesen diese während Wärmperioden nordwärts, und in Kälteperioden südwärts. Den Bau der Chinesischen Mauer und den Untergang der Ming Dynastie lassen sich auf die Häufung von Kaltphasen in Verbindung bringen.

Das pazifische Becken

Nicht nur in China, sondern im gesamten pazifischen Raum kam es zu bedeutenden sozialen Umwälzungen infolge des 1300 A.D. Events. Für diese Zeit wurden gewaltige El Ninos nachgewiesen, die fatale Folgen für die Küsten Perus und Chiles, sowie für die pazifischen Inseln hatten. Siedlungen, die an den Küsten lagen, wurden innerhalb weniger Jahre ins Landesinnere verlegt und Siedlungen, die zuvor den Fischfang als Grundlage hatten, aufgegeben und Handelslinien nicht mehr bedient. Unruhen und Kriege sind in den untersuchten Gebieten von den Fiji Inseln bis zu den Osterinseln nachzuweisen.

Zusammenfassung

Wie sich zeigte, wurden besonders die Übergänge von Warm- zu Kaltpperioden von sozialen Unruhen bis hin zu Kriegen begleitet. Die wichtigsten Gründe waren der Bevölkerungsdruck, aufgrund verringerter Nahrungsmittelproduktion und Migrations-bewegungen. Für China und den pazifischen Raum lassen sich signifikante Zusammenhänge nachweisen von Konflikthäufigkeit und Kälteperioden nachweisen. Wärmeperioden wurden dagegen von weniger Konfliktfällen begleitet und es kam zu einem starken Bevölkerungswachstum, sowie einer Ausweitung der Nahrungsmittelproduktion.

Quellen
ZHANG und LEE, 2007: Climate Change and War Frequency in Eastern China over the last Millenium, Hum Ecol 35, S.403-414
NUNN, CARSON, THOMAS, ULM und ROWLAND, 2007: Times of Planty, Times of Less: Last Millenium Societal Disruption in the Pacific Basin, Hum Ecol 35, S.385-404
ALLEY, R., 2000:The two Mile Time Machine: Ice cores, abrupt climate change, and our future, Princeton University Press, Princeton and Oxford, S. 3-13

Rights
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