Wie sinnvoll ist die aktuelle Entwicklungshilfe?

Das International Poverty Centre fragt in seiner aktuellen Ausgabe von Poverty in Focus, ob die derzeit geleistete Entwicklungshilfe sinnvoll ist, um einerseits die Millenium Development Goals erfolgreich umzusetzen, sowie die absolute Armut in den nächsten Dekaden erfolgreich zu beseitigen. Besonderen Wert legt das Journal auf die aktuellen Strukturen der internationalen Entwicklungshilfe und beschäftigt sich mit der Frage, ob diese ausreichend ist, um die drängensten Fragen zu beantworten, oder ob es zu einem kompletten Umdenken in der Thematik bedarf.

Aktuelle Situation der Entwicklungshilfe

In den 1970er Jahren setzte die UN das Ziel, dass alle entwickelten Länder einen Beitrag erbringen sollten, damit unterentwickelte Länder den wirtschaftlichen, sowie technologischen Rückstand überwinden können. Dieser Beitrag sollte geleistet werden, in dem die reichen Länder 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Entwicklungshilfe bereitstellen. Dieses Geld sollte dafür verwendet werden, damit arme Länder den Aufholprozess starten konnten um die Wohlstandslücke zu schließen. Obwohl es in den vergangenen Dekaden regelmäßige Konferenzen mit umfangreichen Zusagen gab, wie zuletzt beim G8 Gipfel in Heiligendamm, haben bisher nur 5 Länder, darunter Norwegen, Schweden, Dänemark, Niederlande und Luxemburg, dieses Ziel, 0,7 Prozent des BIP für Entwicklungshilfe bereitzustellen, umgesetzt.
Die Strukturen und Verfahren bei der Vergabe dieser Gelder haben sich in den vergangenen 30 Jahren nur wenig geändert und verkomplizierten sich zunehmend. Bisher fehlt ein internationales Konzept, sowie Standards, dem sich alle Geberländer verpflichtet fühlen. Dies führt dazu, dass für Empfängerländer nur wenig Planungssicherheit besteht und die ausgezahlten Hilfen nicht regelmäßig entrichtet werden und jährlichen Schwankungen unterliegen. Neben diesem ist die Internationale Geberstruktur stark zersplittert und Empfängerländer müssen mit bis zu 40 Organisationen gleichzeitig zusammenarbeiten, die ähnliche Hilfen leisten.
Die Entwicklung der Millenium Development Goals auf dem Millenium Gipfel im Jahr 2000 war ein erster Versuch der Internationalen Gemeinschaft ein einheitliches Konzept bei der Bekämpfung der absoluten Armut zu formulieren. Nur die ersten 7 Ziele kümmern sich um Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheit, HIV/AIDS, Gleichstellung der Geschlechter, sowie den Umweltschutz. Als achtes Ziel entwarf der Gipfel die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und die Entwicklung von einheitlichen Entwicklungskonzepten.

Was sind die Gründe für absolute Armut

Noch vor Beginn der Industriellen Revolution vor etwa 200 Jahren, befand sich die Welt in einer Situation, in dem es relativ geringe Disparitäten zwischen den unterschiedlichen Regionen gab. Der Lebensstandard der ländlichen Bevölkerung in Europa unterschied sich nur gering von der Afrikas oder Asiens. Wie konnte es nun in den letzten beiden Jahrhunderten zu solch einer Wohlstandslücke kommen und wieso sind die ärmsten Länder nicht in der Lage ein Wirtschaftswachstum zu erzeugen, um den Aufholprozess zu starten?
Der Ökonom Jeffrey Sachs nennt in seinem Buch Das Ende der Armut, verschiedenste Gründe, die den Entwicklungsprozess verlangsamen und dadurch eine Wohlstandlücke entsteht. Als Haupthindernisse nennt Sachs naturräumliche Gegebenheiten, wie z.B. im Falle Tibets oder Boliviens, eine geringe Sparquote, schlechte Regierungsführung, kulturelle Schranken, mangelnde Innovationsfähigkeit, sowie demographische Nachteile. Allerdings bezeichnet er keines dieser Gründe als so schwerwiegend, damit der wirtschaftliche Rückstand nicht überwunden werden könne.

Wege aus der Armutsfalle

Armut ist kein statischer Zustand. Durch geeignete Mittel kann immer ein Wirtschaftswachstum in Gang gesetzt werden, damit große Teile der Bevölkerung aus der absoluten Armut geholt werden können. Dies haben in den letzten Jahren eindrucksvoll die Länder Ost- und Südasiens bewiesen. Besonders die Stärkung auf institutioneller Ebene führte zu einer Situation, in der wirtschaftliches Wachstum entstand.
Um die Entwicklungshilfe als Instrument neben Ausländischen Direktinvestitionen und Teilnahme am Welthandel zu etablieren, fordert das International Poverty Centre eine einheitliche internationale Geberstruktur, die sich auf die Bekämpfung der absoluten Armut konzentriert und die Hilfen entsprechend fokussiert. Eine Beseitigung der absoluten Armut in der Welt scheint bis zum Jahr 2025 möglich, so Sachs, allerdings nur wenn die Weltgemeinschaft die entscheidenden Schritte gemeinsam verabschiedet.

Quellen
1. Poverty in Focus: Does Aid Work? – for the MDGs, October 2007
2. SACHS, J., 2005: Das Ende der Armut, Lizensausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Siedler-Verlag, München, S.41-95

Rights
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