Ökonomie vor Moral? Adidas’ Unstützung der olympischen Spiele in Peking

In der vergangenen Woche erschien im Spiegel (Ausgabe 19: S.138-142) ein Interview mit Herbert Hainer, dem Vorstandschef von Adidas. Zentrales Element dieses Gespräches war das Engagement des Konzerns bei den olympischen Spielen dieses Jahr in Peking.
Eine der Kernaussagen war, dass Adidas kein politisches Unternehmen sei und auf jegliche Stellungnahme zu diesen Themen verzichte. Hainer machte deutlich, dass er im Sport selber die Kraft sehe, die Menschen zu verbinden. Darüber hinaus würde ein angepeilter Umsatz von 1 Mrd. Euro in China in Gefahr geraten, falls Adidas eine eindeutige Stellung gegen das chinesische Vorgehen in Tibet einnehme.
Einerseits kann ich solche Aussagen verstehen, da Adidas nun mal ein privates Unternehmen ist und keine politische Organisation. Dennoch war ich sehr geschockt, da ich derartige Sichtweisen, die auch andere beteiligte Weltkonzerne äußerten, höchstgradig naiv finde. Wird hier nicht Neutralität mit unterlassener Hilfeleistung verwechselt? Ich denke nicht, dass Adidas als Unternehmen oder Herr Hainer als Privatperson Menschenrechtsverletzungen billigen. Aber wann genau ist der Punkt erreicht, dass Passivität dazu beiträgt, ein menschenrechtsverachtendes Regime zu unterstützen? Viele der beteiligten Unternehmen deuteten an, dass sie überfordert seien und sich mehr Unterstützung aus der Politik wünschten, denn schließlich seien sie nur private und keine politischen Unternehmen. Aber ist nicht genau dies das Problem? Bei sämtlichen wichtigen Fragen unserer Zeit ziehen sich Unternehmer aus der Verantwortung zurück. Sei es nun beim Klimawandel, der Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung oder der Bekämpfung der weltweiten Armut. Sollte die Ökonomie wirklich so wertfrei sein, dass sie sich aus der Verantwortung stehlen kann? Es scheint vergessen, dass Boykotte auch aus der Industrie das Appartheitsregime in Südafrika Anfang der 1990er zu Fall gebracht haben.
Auch ich bin gegen einen Boykott der olympischen Spiele, aber ich hoffe, dass Sportler, Unternehmer, Journalisten und Politiker diese als Plattform nutzen, um die Menschenrechtsverletzungen in China zu thematisieren. Drastische Anschuldigungen sind sicherlich fehl am Platz, aber ein Dialog muss gestartet werden. Eine rein ökonomische Sichtweise reicht in diesem Fall nicht! Adidas formuliert es selbst treffend: „Impossible is nothing“.

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Ein Gedanke zu „Ökonomie vor Moral? Adidas’ Unstützung der olympischen Spiele in Peking

  1. Adidas neutrale Haltung ist zwar verständlich, weil die Firma in China produziert und China auch ein potentieller Markt für sie ist, aber gerade Weltkonzerne sollten meiner Meinung nach ihren Einfluss nutzen und nicht nur ihren Profit im Blick haben!

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