Wigeo I: Was ist Wirtschaftsgeographie?

Die Frage nach einer genauen Definition der Wirtschaftsgeographie ist nicht einfach, da verschiedene Autoren diese auch unterschiedlich beantworten.
Nach DICKEN und LLOYD et al. (1999: 15f.) beschäftigt sich die Wirtschaftsgeographie mit der räumlichen Organisation von Wirtschaftssystemen. Entscheidende Fragestellungen sind die, nach der räumlichen Anordnung einzelner Elemente dieser Systeme, wie diese miteinander verbunden und die Systemelemente angeordnet sind.
Die Wirtschaftsgeographie setzt genau an der Schnittstelle von Geowissenschaften, Geographie und Wirtschaftswissenschaften an, da sie sich mit der räumlichen Dimension wirtschaftlicher Prozesse und Aktivitäten auseinandersetzt (vgl. HAAS/NEUMAIR 2007: 1f.).
KULKE (2006: 20) nimmt in seiner Definition einen konkreteren Raumbezug. Seiner Einteilung zufolge untersucht die Wirtschaftsgeographie zwei Maßstabsebenen. Zum einen die Einzelwirtschaftliche (Mikroebene) und zum anderen die Gesamtwirtschaftliche Ebene (Makroebene). In der Mikroebene wird die Struktur und die Dynamik von Standorten und Standortsystemen wirtschaftlicher Aktivitäten und in der Makroebene die Struktur und Dynamik von Wirtschaftsräumen untersucht.
Eine zweigeteilte Struktur verwenden auch GEBHART et. al. (2007: 663f.), in der der erste Teilbereich der Wirtschaftsgeographie einer Vogelperspektive gleicht, welche auf das Mosaik unterschiedlicher Wirtschaftssituationen in unterschiedlichen Regionen (Gemeinde, Kreis, Länder, Wirtschaftsblöcke) und die Interaktion zwischen diesen schaut. Der zweite Teilbereich untersucht die räumliche Ausstattung unternehmerischen Handelns.
BATHELT und GLÜCKLER (2003: 10), die einen relationalen Ansatz in der Wirtschaftsgeographie vertreten definieren das Ziel der Wirtschaftsgeographie, zu verstehen, warum ökonomische Prozesse in verschiedenen sozio-institutionellen Kontexten unterschiedlich organisiert sind und wieso es zu beobachtbaren und messbaren sozioökonomischen Differenzierungen in räumlicher Perspektive kommt. Damit zusammenhängend, stellen sie die Frage, wie Unternehmen auf unterschiedliche Weise in die lokalen, regionalen, nationalen und supranationalen Entwicklungszusammenhänge eingebunden sind. Die Hauptaufgabe ist demnach zu erklären, warum lokalisierte Ballungs- und Spezialisierungsprozesse bestimmter Wirtschaftssektoren einsetzen und wie diese ablaufen.

Literatur

BATHELT, H.; GLÜCKLER, J. 2003: Wirtschaftsgeographie : ökonomische Beziehungen in räumlicher Perspektive. (2. Auflage). Stuttgart: Ulmer.
DICKEN, P.;LLOYD, P.; HÖPFNER, S. 1999: Standort und Raum : theoretische Perspektiven in der Wirtschaftsgeographie ; 36 Tabellen. Stuttgart: Ulmer.
GEBHARDT, H.;GLASER, R.;RADTKE, U.; REUBER, P. 2007: Geographie : physische Geographie und Humangeographie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
HAAS, H.-D.; NEUMAIR, S.-M. 2007: Wirtschaftsgeographie. Darmstadt: WBG
KULKE, E. 2006: Wirtschaftsgeographie. (2. Auflage). Paderborn: Schöningh.

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