Wigeo II: Wirtschaftsgeographische Strömungen im 20. Jahrhundert

Auf dem Kieler Geographentag, wurde 1969 eine umfassende Kritik der länderkundlichen Ausrichtung in Forschung und Lehre, die bis zu diesem Zeitpunkt vorherrschte, formuliert. Dadurch wurde der Weg zur Quantitative Revolution, mit kritischem Rationalismus und der Verwendung von quantitativen Forschungsmethoden in der Wirtschaftsgeographie, geebnet (vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2003: 20). Es entwickelten sich unterschiedliche Ansätze der Wirtschaftsgeographie (funktionaler-, verhaltenstheoretischer- und der Wohlfahrtsansatz), unter denen der raumwirtschaftliche Ansatz in Deutschland und den angelsächsischen Ländern starke Verbreitung fand.
Dieser Ansatz bietet die ökonomische Erklärung räumlicher Strukturen und Entwicklungen durch Theorien und Modelle, ihrer empirischen Analyse und Überprüfung, sowie die Ableitung regionalpolitischer Handlungsweisen. BATHELT und GLÜCKLER (2003: 27) kritisieren bei diesem Ansatz, dass die Raumsicht problematisch ist, da Räume zu Akteuren hochstilisiert werden und keine sozialwissenschaftlichen Erklärungsmuster verwendet werden.
SCHAMP (2007: 241) weist darauf hin, dass sich die Wirtschaftsgeographie der letzten 4 Jahrzehnte aktuellen Entwicklungen gegenüber, immer sehr offen gezeigt hat. So verlagerten sich die Schwerpunkte der Forschung von der Industrialisierung der Entwicklungsländer in den 1970er, der Restrukturierung von Industrieregionen vor dem Hintergrund der Krise des Fordismus in den 1980er, den Chancen der Regionalentwicklung durch Technologie und Innovation in den 1990er zu den heutigen Schwerpunkten, die sich den Herausforderungen der Wissensgesellschaft und der fortschreitenden Deindustrialisierung stellen.
Durch die Entwicklung der „New Economic Geography“ durch KRUGMAN in 1998 wurden wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Strukturen und Prozesse in die Theoriebildung mit einbezogen. Die „Geographical Economics“, wie dieser Ansatz auch genannt wird, bezieht räumliche Komponenten in wirtschaftswissenschaftliche Betrachtungen mit ein.
Weitere Impulse erhielt die Wirtschaftsgeographie aus den Sozialwissenschaften, aus der das Konzept „embeddedness“ stammt, welches besagt, dass jedes ökonomische Handeln in soziale Beziehungen eingebettet ist. Ein weiteres einflussreiches Konzept der Sozialwissenschaften, war das der Netzwerke. Weitere Impulse lieferten die Wirtschaftswissenschaften, wobei vor allem die Neue Wachstumstheorie und die Neue Außenwirtschaftstheorie zu nennen sind (vgl. SCHAMP 2007: 249).

Literatur

BATHELT, H.; GLÜCKLER, J. 2003: Wirtschaftsgeographie: ökonomische Beziehungen in räumlicher Perspektive ; 16 Tabellen. (2.Auflage). Stuttgart: Ulmer.
SCHAMP, E. 2007: „Zur Diskussion gestellt : Denkstile in der deutschen Wirtschaftsgeographie; aktuelle Umbrüche seit 1970.“ In: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, 51(3-4), S. 238-252.

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