Wigeo III: Zweite Transition der Wirtschaftsgeographie

BATHELT und GLÜCKLER (2003) plädieren für eine Transition zu veränderten Grundkonzepten und –perspektiven des Fachs. Nach der methodologischen Revolution, die erste Transition, welche von der Länderkunde zur Raumwirtschaft führte, fordern sie eine zweite Transition, hin zu einer relationalen Wirtschaftsgeographie. Eine Erweiterung des raumwirtschaftlichen Ansatzes lehnen sie ab.
Ausgangspunkt dieser Überlegungen stellt das Konzept der Holy Trinity von STORPER (1997) dar. Des Weiteren stützen BATHELT und GLÜCKLER ihre Arbeit auf Konzeptionen aus dem angelsächsischen Raum (vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2003: 31).

Storpers Konzeption der Holy Trinity

Als Vertreter der kalifornischen Schule, zu der unter anderem auch WALKER und SCOTT zählen, fordert STORPER einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaftsgeographie, in dem diese auf drei sich überlagernden Säulen basiert; Technologie, Organisation und Territorium (siehe Abb.1). Dabei kommt der Technologie die Rolle zu, Motor für eine Veränderung der Wirtschaftsstruktur, und der Organisation, Vorrausetzung für Kommunikations- und Informationsprozesse, sowie für den Technologischen Wandel zu sein. Das Territorium ist bei diesem Konzept besonders wichtig, da es durch Wissenstransfer und sich überlagernde Produktionsketten zu spillover Effekten kommt (vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2003: 32).

Storper bemerkt, dass lokalisierte Produktionssysteme, trotz einer Revolution in der Kommunikationstechnik und im Transportwesen, weiterhin eine bedeutende Rolle in der globalen Ökonomie spielen. Er führt dies auf zwei Ursachen zurück. Durch Respezialisierungs- und Destandardisierungsprozesse, erhöhen sich die Transportkosten in der industriellen Produktion. Diesem Kostenanstieg wird durch die regionale Nähe der Produktionsbetriebe entgegengewirkt. Durch spezialisierte Industrieagglomerationen bietet sich die Möglichkeit, dass sich spezifisch organisatorische, sowie technologische Lernprozesse herausbilden. Dadurch entstehen Wettbewerbsvorteile, die Ballungsprozesse fördern (vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2003: 31-32).
Innerhalb der Diskussion einer zweiten Transition der Wirtschaftsgeographie haben sich zwei Hauptrichtungen verfestigt, die Forderung nach einem cultural turn, in dem Denkstile aus der Sozialwissenschaften vorherrschen, und einem relational turn. SCHAMP (2007: 249) merkt allerdings an, das es zu früh ist, zu entscheiden, welcher Ansatz sich letztendlich durchsetzt, da beide Theorierahmen noch nicht endgültig ausformuliert sind. Er verweist allerdings auf ein Zitat von STORPER nach welchem sich der relationale Ansatz durchsetzen wird.

“Behavioural, institutional, cultural, historical processes are of great importance to the way economy develops. But the bottom line is, if you want to do good economic geography, you have to have economics. You can’t dissolve the economics out of economic geography and still have economic geography.“

Michael Storper (vgl. HOYLER/FREYTAG et al. 2004: 70)

Literatur

BATHELT, H.; GLÜCKLER, J. 2003: Wirtschaftsgeographie : ökonomische Beziehungen in räumlicher Perspektive ; 16 Tabellen. (2. Auflage). Stuttgart: Ulmer.
SCHAMP, E. W. 2007: „Zur Diskussion gestellt : Denkstile in der deutschen Wirtschaftsgeographie ; aktuelle Umbrüche seit 1970.“ In: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, 51(3-4), S. 238-252.
HOYLER, M.;FREYTAG, T.; JÖNS, H. 2004: „Technology, organization, territory. A biographical interview with Michael Storper.“ Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, 48(1), S. 63-72.

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