Wieviel Spekulation steckt im Erdölpreis?

Von kaum einer Ressource sind die Nationen der Erde so abhängig, wie vom Erdöl. Besonders nachdem der Erdölpreis die Marke von $100 pro Barrel (158,98 Liter) überschritten hat, wird in den Medien diskutiert, wie es zu diesem enormen Preisanstieg kommen konnte. Während das eine Lager das Erreichen der Höchstfördermenge (Peak Oil) beschreit, sieht das andere Lager Spekulanten an den internationalen Märkten als Preistreiber.
Kaum eine andere Ressource ist so umkämpft und liegt dennoch in den Händen weniger. Während die Länder des Nahen Ostens fast zwei Drittel der Erdölressourcen (vgl Abb.1) besitzen und zeitgleich in der OPEC organisiert sind, bestimmen nur wenige Großkonzerne, wie Exxon Mobil oder BP, den Vertrieb. Dass diese Konzerne stark vom hohen Ölpreis profitieren zeigen die extremen Gewinne dieser Unternehmen in den letzten Jahren. So lag der Gewinn von ExxonMobil im Jahre 2007 bei 40 Mrd. US Dollar (vgl. Yahoo Finance). Darüber hinaus entwickelte sich in den vergangenen Jahren ein reger Handel mit Oil Futures, die den Preisanstieg mit verursachte, wie ein Untersuchungsausschuss des US Senats im Juni 2006 feststellte.

“The Role of Market Speculation in rising oil and gas prices, …there is substantial evidence supporting the conclusion that the large amount of speculation in the current market has significantly increased prices.”


Abb.1: Erdölressourcen nach Ländern

Während der Erdölpreis weiter steigt, hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine Spekulationsblase herausgebildet. Große amerikanische Banken, wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup sind in das Geschäft eingestiegen und nehmen aktiv an der Spekulation teil, wie Global Research berichtet. Der selbe Untersuchungsausschuss hat für 2006 einen Spekulationsanteil von fast 60% am Erdölpreis ausgemacht. Demnach würde der heutige unverfälschte Marktpreis nur bei $50-$70 liegen. Erklärt werden kann dies, da das Angebot an Erdöl über die letzten Jahre der Nachfrage entsprach. Obwohl Schwellenländer wie China oder Indien große Menge an Erdöl auf den internationalen Märkten nachfragten, konnte die Fördermenge, laut US Department of Energy Information Administration (EIA), jeweils gesteigert werden, um dieser Nachfrage zu entsprechen.

Genauere Informationen über die Zusammensetzung des Erdölpreises wird eine Untersuchung des Internationalen Währungsfonds bringen, denn Dominique Strauss-Kahn wurde im Vorfeld des G8 Treffens, welches Anfang Juli in Tokio stattfindet von der Financial Times mit den Worten zitiert: “Some of the members of the G8 were of the opinion that there may be financial factors, let’s call it speculation, while some say probably not. For that reason they have asked the IMF to provide a report.”

Egal wie dieser Bericht ausfallen wird, der Erdölpreis wird wohl weiter steigen, denn einer Umfrage zufolge, die im Rahmen des Handelsblatt-Business Monitor durchgeführt wurde, erwarten die Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft einen weiteren Anstieg auf $150 bis zum Ende des Jahres. Ein solch hoher Preis würde sich nicht nur für den Verbraucher sehr negativ auswirken, sondern auch auf Luftfahrt-, Automobil- und Chemieindustrie. Es bleibt zu hoffen, dass die Preisblase langsam platzt und der Erdölpreis wieder sinkt, oder Alternativen gefunden werden.

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