Megastädte II: Megastädte und Klimawandel

Im Jahre 2015 werden mehr als 600 Millionen Menschen in Städten mit mehr als 5 Millionen Einwohnern leben und ein Ende des Wachstums dieser Megastädten ist derzeit nicht abzusehen, da viele dieser in Ländern entstanden, die einen relativ niedrigen Verstädterungsgrad aufweisen.
In Bezug auf den Klimawandel befinden sich Megastädte in einem Dualismus, da diese Städte einerseits einen hohen Einfluss, sowohl auf das regionale, wie das globalen Klima haben und andererseits stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen zu sein.
Das Phänomen der Megastädte ist noch ein relativ junges, da erst im 20. Jahrhundert Bevölkerungszahlen erreicht wurden, die Städte mit mehr als 5 Millionen Einwohnern formen konnten. Zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts verfügte einzig New York über eine Einwohnerzahl von mehr als 10 Millionen. Bis 2015 wird es weltweit 60 Städte geben, die mehr über eine Einwohnerzahl von mehr als 5 Millionen Menschen verfügen. Ein Ende dieses Urbanisierungsprozesses ist derzeit nicht absehbar, da vor allem Entwicklungsländer hohe Wachstumsraten der Bevölkerung haben.
Viele Megastädte sind explosionsartig gewachsen, ohne das städtische Verwaltungen diesen Prozess angemessen steuern konnten.
Zwischen 1970 und 2000 wiesen vor allem Megastädte in Entwicklungsländern ein ungewöhnlich hohes Wachstum in der Bevölkerung auf. So wuchs Dhaka, die Hauptstadt Bangladeshs, in diesem Zeitraum um fast das Siebenfache auf mehr als 10,2 Millionen Einwohner. Seit 2000 ist diese Zahl um weitere 2 Millionen gestiegen, so dass eine prognostizierte Einwohnerzahl von 20 Millionen bis 2015 möglich erscheint.


Abb. 1: Bevölkerung von Megastädten 1970 und 2000 in Millionen

Ähnliche Zuwachszahlen weisen auch Neu Delhi (Indien), Jakarta (Indonesien), Karachi (Pakistan) und Sao Paulo (Brasilen) auf (vgl. Abb. 1), die ihrerseits bereits die 10 Millionengrenze überschritten haben, die in Ländern lokalisiert sind, die aufgrund einer niedrigen Verstädterungsrate noch hohe Potentiale haben.

Städte als Hauptverursacher des Klimawandels

Weltweit werden mehr als 80% der wirtschaftlichen Aktivitäten in urbanen Räumen getätigt, die für ca. 90% an den Emissionen an Treibhausgasen beteiligt sind. Darüber hinaus benötigen diese Räume große Mengen an Ressourcen, wie Energie und Nahrungsmittel. Besonders Megastädte haben, aufgrund der hohen Bevölkerungszahl, einen hohen Konsum.
Da viele dieser Städte in Ländern lokalisiert sind, die niedrige Umweltstandards aufweisen, führt dies zu einer Situation, dass sowohl Konsum als auch die Produktion globale Auswirkungen haben.
Megastädte haben aber nicht nur globale Auswirkung auf das Klima, entscheidend ist, dass das regionale Klima stark beeinflusst wird. Der wohl stärkste Effekt auf das regionale Klima, sind städtische Wärmeinseln.
Mittelgroße Städte weisen Temperaturerhöhungen von 1 – 3°, im Vergleich zum Umland, auf. Ursachen für diese sind verringerte Windgeschwindigkeiten durch Gebäude, niedrigere Verdunstungsraten und Wärmeabgabe von Asphalt und Beton. Im Extremfall können diese Temperaturunterschiede bis zu 10° betragen. Klimaforscher sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem künstlichen Wüstenklima, welches auf das Stadtgebiet beschränkt ist. Diese Effekte korrelieren stark mit der Größe der betroffenen Stadt und sind in Megastädten extrem ausgeprägt.

Gefährdungen

Global gesehen sind Megastädte einer der Hauptverursacher des Klimawandels, da diese Hauptproduzenten von Treibhausgasen sind. Gleichzeitig sind diese Städte, bedingt durch ihre Größe. auch am stärksten von den Prozessen des Klimawandels betroffen.
Insbesondere der Anstieg und die Verstärkung von extremen Wetterverhältnissen, wie Sturmfluten, Hurrikans und Dürren haben direkte Folgen für die Bewohner dieser Städte.
Hinzu kommt, dass viele Megastädte gleichzeitig Küstenstädte sind. Ein steigender Meeresspiegel bedroht diese in besonderem Maße, da nur wenige Entwicklungsländer über die Möglichkeiten eines angemessenen Küstenschutzes verfügen.
Aber auch Städte im Landesinneren sind höheren Gefahren ausgesetzt, denn Städte wie Mexico City, Neu Delhi und Karachi haben, aufgrund hohen Verbrauchs, mit extremen Wassermangel zu kämpfen, welches aufgrund von veränderten Niederschlagsverteilungen verursacht wurden, die diese Städte selbst verursachen.
Es entsteht ein Teufelskreis aus Verursacher und Leidtragender. Verstärkt wird dieser noch, da das Grundwasser für die Überbrückung von Engpässen herangezogen wird, welches wiederum der Landwirtschaft im Umland für die Bewässerung fehlt. Dies erhöht die Landflucht, welches die Einwohnerzahl der Megastädte weiter steigen lässt.

Fazit

Je stärker die Prozesse des Klimawandels wirken, desto höher ist die Gefährdung der Menschen, die in Megastädten leben. Leider reagieren viele Menschen in diesen Städten nicht angemessen auf diese Gefahren, wie die vergangenen Jahren zeigten. In den Städten Nordamerikas und Asien kam es, aufgrund höherer Temperaturen, zu einem verstärkten Einsatz von Klimaanlagen, welche den Energieverbrauch und die Emission von Treibhausgasen spürbar ansteigen ließen.

Quellen

Grimmond, S., 2007: Urbanization and global environmental change: local effects of urban warming, The Geographical Journal, Vol.173, No.1, March 2007, pp. 75-92
Heineberg,H., 2001: Grundriß Allgemeine Geographie: Stadtgeographie, 2.Auflagen, Ferdinand Schöning, München
Kraas, F., 2007: Megacities and global change: key priorities, The Geographical Journal, Vol.173, No.1, March 2007, pp. 75-92
Simon, D., 2007: Cities and global environmental change: exploring the links, The Geographical Journal, Vol.173, No.1, March 2007, pp. 75-92

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