Wieviel Spekulation steckt im Erdölpreis?

Von kaum einer Ressource sind die Nationen der Erde so abhängig, wie vom Erdöl. Besonders nachdem der Erdölpreis die Marke von $100 pro Barrel (158,98 Liter) überschritten hat, wird in den Medien diskutiert, wie es zu diesem enormen Preisanstieg kommen konnte. Während das eine Lager das Erreichen der Höchstfördermenge (Peak Oil) beschreit, sieht das andere Lager Spekulanten an den internationalen Märkten als Preistreiber.
Kaum eine andere Ressource ist so umkämpft und liegt dennoch in den Händen weniger. Während die Länder des Nahen Ostens fast zwei Drittel der Erdölressourcen (vgl Abb.1) besitzen und zeitgleich in der OPEC organisiert sind, bestimmen nur wenige Großkonzerne, wie Exxon Mobil oder BP, den Vertrieb. Dass diese Konzerne stark vom hohen Ölpreis profitieren zeigen die extremen Gewinne dieser Unternehmen in den letzten Jahren. So lag der Gewinn von ExxonMobil im Jahre 2007 bei 40 Mrd. US Dollar (vgl. Yahoo Finance). Darüber hinaus entwickelte sich in den vergangenen Jahren ein reger Handel mit Oil Futures, die den Preisanstieg mit verursachte, wie ein Untersuchungsausschuss des US Senats im Juni 2006 feststellte.

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Erdöl Reihe IV: Wie wird sich der Erdölpreis in der Zukunft entwickeln?

Dies ist eine wichtige Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt, schon gar nicht von einem Geographiestudenten. Beginnen wir erst einmal mit der Entwicklung des Erdölpreises. Gehandelt wird Erdöl in Barrel (158,98 Liter) und in US Dollar. Die wichtigsten Börsen für Erdöl sind die New York Mercantile Exchange, die Londoner International Petroleum Exchange und die Singapore Exchange. Diese drei Börsen sind die Haupthandelsorte für Erdöl in Amerika, Europa und Asien.
Bis zum Jahr 1974 betrug der Preis für ein Barrel etwa $2 damaliger Preise. Durch das Einschreiten der OPEC (Kartell der Erdölexportierender Länder) stieg der Erdölpreis quasi über Nacht auf $11,70 und löste somit den ersten Ölpreisschock aus. Ich war damals zwar nicht auf der Welt, aber meine Eltern berichten heute noch über Fahrverbote an Sonntagen. Ein Schock, der eine bleibende Wirkung hinterlassen hat.
Ein vorzeitiger Höhepunkt des Ölpreises, ausgelöst durch die Revolution im Iran im Jahre 1979, war die Überschreitung der $40 Marke. In den folgenden zwei Dekaden blieb der Ölpreis jedoch relativ stabil und im Jahr 1998 betrug er gerade einmal $9,80. Von da stieg der Preis kontinuierlich. Besonders durch die Anschläge des 11. Septembers 2001 und den Nachfolgekriegen in Afghanistan und dem Irak wurde der Preis hochgetrieben. Nicht zu vernachlässigen ist auch die erhöhte Nachfrage Chinas und Indiens auf dem Weltmarkt.

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Erdöl Reihe III: Neue weltweite Fördergebiete

Weltweit befinden sich die größten Erdölreserven in den Ländern des Nahen Ostens. Schätzungen sprechen von fast 60% der weltweiten Lagerstätten. Alleine Saudi Arabien besitzt einen weltweit geschätzten Anteil von 20,6%, wie der Mineralienatlas aufzeigt. Diese Reserven lassen sich relativ leicht fördern, da die Lagerstätten oberflächennah liegen. Obwohl in vielen anderen Regionen ebenfalls große Mengen Öl lagern, wurden diese aufgrund hoher technischer Hürden nicht angetastet. Seitdem der Ölpreis jedoch die magische Marke von $100 übersprungen hat, lassen sich auch Erdölfelder ausbeuten, die hohe technische Verfahren fordern. Wo also liegen diese Felder genau?
Wie vor einigen Wochen in diesem Blog berichtet, befinden sich gewaltige Mengen Erdöl in so genannten Ölschlämmen im Norden Kanadas. Riesige Sandvorkommen haben das Öl aufgesaugt und zu einem Schlamm verwandelt. Ab einem Ölpreis von $70 lassen sich diese Vorkommen wirtschaftlich erschließen. Das Problem hier ist jedoch, dass zumeist meterdicke Sediment- und Bodendecken über diesen Vorkommen liegen. Diese müssen erst einmal abgeräumt werden, was einer ökologischen Katastrophe gleichkommt.
Weitere Vorkommen wurden vor der Küste Brasiliens, wie berichtet, gefunden, die Tiefseebohrungen voraussetzen. Ebenso wurde Ölschiefer in Australien und schweres Öl vor Madagaskar gefunden.
Der Jackpot wird allerdings an anderer Stelle vermutet. Durch die Klimaerwärmung und das Auftauen des Permafrostbodens in der Arktis werden Regionen für die Förderung attraktiv, die bisher nicht zu erschließen waren. Ölfirmen haben daher besonders Grönland und Alaska im Visier und führen mittlerweile Probebohrungen durch.

Erdöl Reihe II: Was bedeutet Peak Oil?

Bei der Beantwortung der Frage, wie lange die weltweiten Erdölreserven noch reichen, fällt häufig der Begriff Peak Oil. Doch was bedeutet dies genau und wann ist diese Phase genau erreicht?
Die Förderung von Öl ist ein technisch hoch komplexes Verfahren. In der Regel lassen sich nur ca. 35% des Öls eines Feldes fördern. Der Grund hierfür ist der, dass je mehr Öl gefördert wird, der Untergrund instabiler wird. Durch technische Verfahren lässt sich das eine oder andere Prozentpunkt mehr fördern, aber dann ist Schluss. Und jedes Feld erreicht irgendwann diese Phase. Weiterlesen

Erdöl Reihe I: Brasilien steigt in den Kreis der Ölexporteure auf

Es sind gute Zeiten für die brasilianische Wirtschaft, die in den nächsten Jahren zu einem großen Energieexporteur aufsteigen wird. Neben hohen Exporten an Ethanol, welches aus Zuckerrohr gewonnen wird, kommt nun Erdöl als Exportschlager hinzu. Erst im November wurde vor der Küste Brasiliens das Erdölfeld Tupi entdeckt, welches fünf bis acht Milliarden Barrel enthalten soll. Im April kam eine weitere Erfolgsnachricht hinzu. In der Nähe von Tupi wurde ein weiteres Erdölfeld entdeckt, das Größte seit dreißig Jahren mit geschätzten 33 Milliarden Barrel, die sich unter den Sedimentdecken der Brasilianischen Küste verbergen sollen, wie die Presse berichtet.
Dieser Schatz allerdings wird nicht leicht zu heben sein, denn es sind Tiefseebohrungen vonnöten, die technisch sehr aufwendig und teuer sind. Neben den technischen, kommt noch das ökologische Risiko hinzu. Besonders Tiefseebohrungen bergen die Gefahr weiträumiger Zerstörungen von Ökosystemen.
Solange der Ölpreis jedoch über $100 steht, ist jedoch davon auszugehen, dass dieses Öl in großen Mengen gefördert wird. Brasiliens Präsident Luiz da Silva jedoch, kündigte an, dass bei aller Freude über die Entdeckung, das Grüne nicht vernachlässigt wird. Aus ökologischer Sicht bleibt zu hoffen, dass diesen Worten Taten folgen.

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Riesige Vorkommen Öl und Gas in der Arktis

Ein neuer Ölboom steht der Menschheit bevor. Kanadische Wissenschaftler vermuten riesige Öl und Gas Vorkommen in der Arktis, wie es der Canwest News Service berichtet. Das Potential ist gewaltig. Experten schätzen, das 400 Mrd. Barrel unter dem Permafrost Kanadas ruhen. Diese Menge entspräche der Summe, die der Nahe Osten als Reserven derzeit ausgibt. Noch ist die Förderung ein schweres Unterfangen, da hohe technische Hürden überwunden werden müssen. Aber dies bleibt nicht lange so, denn durch die Klimaerwärmung tauen weite Bereiche des Permafrostes auf und erleichtern somit die Förderung. Die Auswirkungen für die Umwelt sind nicht abzuschätzen, da besonders arktische Ökosysteme sehr fragil sind. Bleibt zu hoffen. dass in den nächsten Jahren schonende Fördertechniken umgesetzt werden. Aufgrund des hohen Ölpreises von $100 werden die Ölfirmen sicherlich auf rasche Förderung dieser Ressourcen drängen.