Megastädte IV: Gated Communities

Als vor wenigen Wochen das Stadtviertel Prenzlauer Gärten in Berlin öffnete, war das Phänomen „gated communities“ in sämtlichen Medien vertreten, die ein Auseinanderdriften von armen und reichen Gesellschaftsteilen befürchteten und von Angstarchitektur und Privatisierung des öffentlichen Raumes sprachen.
Bewachten Wohnkomplexen sind ein Phänomen, welche stark in Entwicklungsländern verbreitet ist und nur eine geringe Verbreitung in Mittel- und Nordeuropa aufweisen. Ein solcher Wohnkomplex ist ein, durch Mauern oder Zäune abgetrenntes Areal, welches eine Zugangsbeschränkung unterliegt (GLASZE 2007: 884). Darüber hinaus besteht innerhalb dieser Stadtviertel eine gemeinschaftliche Selbstverwaltung des Gemeinschaftseigentums.
In den USA sind diese Wohnviertel stärker vertreten und ihre Zahl verzwanzigfachte sich in den vergangenen dreißig Jahren auf derzeit 40.000. Die Tendenz ist stark steigend. Eines der berühmtesten Wohnkomplexe ist Celebration in Florida, welche vom Disney Konzern betrieben wird. Diesem Wohnkomplex unterliegen nicht nur Regulierungen bezüglich Gestaltung der Häuser, des öffentlichen Raumes, sondern auch hinsichtlich der Haushaltsstruktur der Bewohner. Familien mit Kindern sind besonders gerne gesehen und werden bei der Vergabe der Häuser bevorzugt. Weiterlesen

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Megastädte III: Die Unterschiede zwischen Arm und Reich

Die Entwicklung von Megastädten vollzog sich in vielen Ländern einhergehend mit zwei unterschiedlichen Entwicklungen, die häufig gleichzeitig auftraten und sich gegenseitig bedingten. Einerseits sind diese neuen Agglomerationen Resultat einer steigenden Bevölkerungszahl, und andererseits Folge eines raschen wirtschaftlichen Aufschwungs.
In ökonomisch wachsenden Volkswirtschaften, stellen Megastädte innerhalb kürzester Zeit große Zahlen von Beshäftigungsverhältnissen zur Verfügung, die somit Zielpunkt von Migrationsströmen werden, die aufgrund eines hohen Bevölkerungsdrucks, infolge einer steigenden ländlichen Bevölkerung, entstehen. Die genauen Gründe für das Wachstum von Megastädten sind ineinandergreifende Push- und Pull-Faktoren (ländlicher Bevölkerungsdruck – urbane Beschäftigungsmöglichkeiten). Durch das wirtschaftliche Wachstum und den Bedeutungsgewinn dieser Megastädte entstehen Rückkopplungseffekte, die den Prozess des Wachstum noch verstärken.
Die Verzahnung dieser Faktoren besteht jedoch in vielen Entwicklungsländern nicht. KRAAS merkt an, dass „in weiten Teilen Afrikas und Lateinamerikas die Megaurbanisierung ohne Wirtschaftswachstum stattfindet und sich nur wenige Beschäftigungsmöglichkeiten entwickeln“ (KRAAS 2007: 879).
In diesen armen Megastädten (Dhaka, Lagos, Karachi und Johannesburg) herrscht ein starker informeller Sektor vor, da der formelle öffentliche und private Sektor nicht in der Lage ist, die armen Bevölkerungsteile mit ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten zu versorgen.
Reiche Megastädte (Shanghai, Bangalore, New York, London) jedoch profitieren als globale Produktions- und Steuerungszentren des globalen Marktes und können somit Verarmungsprozesse weiter Teile der Bevölkerung abwenden.

Megastädte II: Megastädte und Klimawandel

Im Jahre 2015 werden mehr als 600 Millionen Menschen in Städten mit mehr als 5 Millionen Einwohnern leben und ein Ende des Wachstums dieser Megastädten ist derzeit nicht abzusehen, da viele dieser in Ländern entstanden, die einen relativ niedrigen Verstädterungsgrad aufweisen.
In Bezug auf den Klimawandel befinden sich Megastädte in einem Dualismus, da diese Städte einerseits einen hohen Einfluss, sowohl auf das regionale, wie das globalen Klima haben und andererseits stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen zu sein.
Das Phänomen der Megastädte ist noch ein relativ junges, da erst im 20. Jahrhundert Bevölkerungszahlen erreicht wurden, die Städte mit mehr als 5 Millionen Einwohnern formen konnten. Zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts verfügte einzig New York über eine Einwohnerzahl von mehr als 10 Millionen. Bis 2015 wird es weltweit 60 Städte geben, die mehr über eine Einwohnerzahl von mehr als 5 Millionen Menschen verfügen. Ein Ende dieses Urbanisierungsprozesses ist derzeit nicht absehbar, da vor allem Entwicklungsländer hohe Wachstumsraten der Bevölkerung haben.
Viele Megastädte sind explosionsartig gewachsen, ohne das städtische Verwaltungen diesen Prozess angemessen steuern konnten. Weiterlesen

Megastädte I: Die aktuelle Situation

Megastädte sind ein relativ neues Phänomen der menschlichen Urbanisierung. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts bilden sich diese sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern heraus, die Bevölkerung, Infrastruktur, Wirtschaftskraft, Kapital in einem, vorher nie dagewesenem Maße, in sich konzentrieren (KRAAS 2007: 876).
Aufgrund ihrer Größe und wachsenden Bedeutung dienen einige Megastädte als Knotenpunkte der Globalisierung, während vor allem ärmere Megastädte in Entwicklungsländern, wie z.B. Dhaka und Lagos nur in ihrer Größe wachsen und nicht an globaler Bedeutung zunehmen.
Eine eindeutige Definition einer Megastadt ist schwer zu bewerkstelligen, da quantitative und qualitative Merkmale unterschieden werden müssen. Je nach Definition haben Megastädte eine Mindesteinwohnerzahl von 5, 8 oder 10 Millionen (Feldbauer et al. 1997, Fuchs et al. 1994 und Mertins 1992), denen verschiedenste Definitionen noch einen Schwellenwert von mindestens 2000 Einwohner/km2 zurechnen. Aufgrund der unterschiedlichen Definitionen bestehen derzeit weltweit 16, 24 oder 39 Megastädte (KRAAS 2007:876). Laut einer Prognose der UN werden im Jahr 2015 weltweit ca. 600 Millionen Menschen in Megastädten leben, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Neben der statistischen Abgrenzung zieht KRAAS (2007) noch qualitative Merkmale hinzu, in dem Expansions-, Suburbanisierungs- und Verdichtungsprozesse mit in die Definition aufgenommen werden (KRAAS 2007:876).
Einige der Megastädte bilden sich zugleich als global cities heraus, die zusätzlich zu ihrer nationalen Bedeutung noch globale Steuerungsfunktionen ausüben. Diese Weltstädte (New York, Tokyo, London, Paris, Moskau) verfügen über globale wirtschaftliche, kulturelle und politische Bedeutung. Aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums in den BRIC Ökonomien, ist von einer Verschiebung der internationalen Ordnung der Weltstädte zu rechnen, da Städte wie Peking, Shanghai, Sao Paulo und Mumbai in der Zukunft an Bedeutung gewinnen werden.

Netzwerkstädte – die Agglomerationen der Zukunft?

Das bekannte urbane System war nie besonders stabil und Städte wuchsen innerhalb kürzester Zeit, während andere schrumpften und an Bedeutung verloren. Eine Vorhersage, wie sich dieses System entwickelt war nie sehr einfach. Das 21. Jahrhundert bringt viele Veränderungen mit sich und somit verändert sich auch das urbane System. Netzwerkstädte wie die Randstad Region in Holland scheinen in der Zukunft an Bedeutung zu gewinnen, während spezialisierte, monozentrische Städte einen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Doch welche Vorteile weisen Netzwerkstädte auf, die sie aktuell so erfolgreich macht? Weiterlesen

Die Rolle von Agglomerationseffekten für die Wirtschaftliche Entwicklung?

Weltweit befinden sich die meisten Arbeitsplätze in Städten oder Agglomerationen, denn diese bieten vielen Unternehmen Vorteile, die im ländlichen Raum nicht existieren. Diese positiven Effekte sind allerdings nicht nur allein von der Größe der entsprechenden Agglomeration abhängig, sondern auch von der vorherrschenden Wirtschaftsstruktur. Besonders das Kreieren von Innovationen wird als wichtiger Erfolgsfaktor für das Wirtschaftswachstum gesehen. Das Ausnutzen solcher Effekte spiegelt sich dabei im Spezialisierungsgrad einer Agglomeration wieder. Weiterlesen

Die Mehrheit der Menschen wird in Städten leben

In der menschlichen Entwicklung ist die Stadt eine recht späte Entwicklung gewesen. Die ersten Siedlungen tauchten etwa vor 11000 Jahren auf, nachdem der Homo Sapiens 100.000 Jahre in den Steppen und Savannen herumgewandert ist. Die ersten Siedlungen ermöglichten den Bewohner an einem Ort zu bleiben und sich mit anderen Dingen als der Nahrungsbeschaffung zu beschäftigen. Schnell entwickelten sich Städte zu Marktplätzen, Verwaltungszentren, wo Künstler, Dichter und Denker sich ausleben konnten und viele Entdeckungen gemacht wurden. Obwohl sich Millionenstädte wie Rom oder Konstantinopel entwickelten, lebten im Jahre 1800 immer nur noch 3% der Menschheit in Städten. Durch die industrielle Revolution setzte eine Landflucht ungeahnten Ausmaßes ein, ausgehend von Nordengland erfasste sie auch ganz Europa und Nordamerika. In einhundert Jahren wuchs die urbane Bevölkerung stark an und zählte im Jahre 1900 schon 13%. Erst im 20. Jahrhundert setzte die weltweite Landflucht ein, die Megastädte mit mehr als 20 Millionen Einwohnern schuf. Ab diesem Jahr werden erstmals mehr Menschen in Städten leben, als auf dem Land. Weiterlesen